Vereinsgeschichte
Was wäre Bayern ohne die vielfältige Eigenart seiner Bewohner in Sprache, Musik, Brauchtum,
Kleidung und Bauweise? Sicher ein Stück ärmer, oder wie es der lateinische
Sinnspruch am alten Jagdschlößl von Esting an der Amper ausdrückt:
„Extra Bavariam nulla vita,et si est vita non est ita.“
Was sagen will, daß außerhalb Bayerns kein Leben ist, und wenn, dann ist es nicht das selbe,
- oder wie wir sagen: “Na is’s halt danach.”
Somit können wir also dem Dorfschullehrer Josef Vogel aus Bayrischzell gar nicht dankbar genug sein,
dass er zusammen mit ein paar weiteren heimatfrohen Burschen
– die Weiblichkeit ist später von allein dazugekommen –
ums Jahr 1883 den ersten Gebirgstrachten-Erhaltungsverein gegründet hat.
Sein Beispiel hat Schule gemacht, weitum im Land sind derartige Vereine entstanden,
selbst dort, wo nicht einmal bei Föhn das Gebirge zu sehen ist.
Aber wenn selbst die Schöpfung noch nicht abgeschlossen ist,
muß man es doch auch der Heimat- und Trachtenpflege zugestehen,
dass sie sich ständig weiter entwickelt und damit sicher auch verbessert.
Unumstritten ist jedenfalls das Verdienst der Trachtenvereine,
dass sie die Besinnung auf die kulturelle Eigenständigkeit unseres Stammes
- die ausgangs des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten schien - wieder geweckt haben.
So hat sich auch in Starnberg bereits um 1890, dem Beispiel der Oberlandler folgend,
ein Gebirgstrachten-Erhaltungsverein unter dem Namen „D’Starnberger“ gebildet.
Leider haben wir darüber keine schriftlichen Unterlagen,
mündliche Überlieferungen und Photos lassen jedoch vermuten,
dass diese Bestrebungen aus dem Bereich des Laienspiels kamen,
was auch den engeren Bezug zur Gebirgstracht, anstatt zu der in Starnberg ehemals
gebräuchlichen Volkstracht erklären würde.
Wie dem auch sei, „D’Starnberger“ haben als erste Gruppierung den
„Glust auf a boarisch’ Gwand unter d’Leut bracht“ und damit den Anstoß
gegeben, dass man sich bald auch an die eingesessene Volkstracht wieder
erinnerte, von der da und dort noch alte Stücke - vor allem Kranl,
Otterfellhauben, Florschließen usw. -
als Familienschatz behütet wurden. Die verschiedentlichen Bemühungen den
Trachtengedanken in diese Richtung zu leiten, wurden allerdings erst
am 3. Juni 1907 mit der Gründungsversammlung des „Volkstrachtenvereins Starnberg“ von Erfolg gekrönt.
Mit der Vereinsführung beauftragt wurden die Herren:
Johann Schäffer, Fleischbeschauer, als 1. Vorstand,
Spenglermeister Georg Wörsching als 2. Vorstand,
Hutmacher Otto Naßl als Schriftführer und
Zimmerermeister Hans Furtmayer als Kassier.
Als Beisitzer fungierten Revierjäger Karl Bögel und Rentamtsgehilfe Josef Eibl.
Weitere Gründungsmitglieder waren:
Baumeister Josef Fischhaber, Kaufmann Josef Jägerhuber,
Hutmachermeister Viktor Naßl, Gastwirt Ludwig Meier, Buchbindermeister Otto Kaiß,
Bäckermeister Gregor Dreher, Rentamtsgehilfe Hermann Köll, Gärtner Josef Stolze,
Hausmeister Josef Hartmuth, Zimmermann Max Bernlochner, Spediteur Theodor Huber und Dr. Greither.
"Volkstrachenverein Starnberg" 1907
Laut Chronik bestand der Volkstrachtenverein Starnberg am 18.11.1907 einschließlich
seiner drei Ehrenmitglieder:
Maximilian Schmidt gen. „Waldschmidt“ Hofrat und Schriftsteller,
Dr. Albrecht Hänlein aus Würzburg und
Lehrer Karl Wohlgeschaffen,
bereits aus 33 Mitgliedern.
Darunter finden sich viele Namen, die in Starnberg
heute noch einen guten Klang haben, bzw. in bester Erinnerung sind.
Bereits am 10. August des Gründungsjahres veranstaltete der junge Verein
das erste große Fest: das „Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen“,
zu dem S.K.H. Prinzregent Luitpold v.Bayern einen Wanderpokal gestiftet hat,
verbunden mit dem Wunsch, dass dieser alle fünf Jahre unter den Berufsfischern
des Starnberger Sees ausgestochen werden möge, um den Fortbestand dieses alten Zunftspiels zu sichern.
Mit Ausnahme von Kriegs- und Notzeiten wurde diesem Wunsch entsprochen.
Vier Jahre nach Gründung des Volkstrachtenvereins spaltete sich einer
Gruppe von Gebirgstrachten-Anhängern ab und gründete 1911 den GTEV „D’Stoarösler Starnberg“
unter Führung von Peter Pfab, Josef Köninger, Hans Brunner und Max Bernlochner.
Vereinslokal war der „Tutzinger Hof“. Trotz dieser Abspaltung ist der
Volkstrachtenverein bis zum „Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen 1912“,
dem Jahr der Stadterhebung Starnbergers, auf über 80 Mitglieder – darunter auch Georg Queri – angewachsen.
Dann kam 1914 der erste Weltkrieg und damit jegliche Vereinstätigkeit zum Erliegen.
Bedingt durch die großen Lücken, die der Krieg in die Reihen aller Vereine gerissen hatte,
dauerte es Jahre, bis sich neben dem Volkstrachtenverein auch die Freunde der
Gebirgstracht zur Neugründung des GTEV „D’Starnberger“ am 18. August 1921 im
Gasthaus „Frühlingsgarten“ wieder zusammenfanden.
Nach anfänglichem Aufblühen war diesem Verein aber wenig Glück beschieden,
wobei auch eine Namensänderung in „Almarausch Stamm Starnberg“
nicht den gewünschten Erfolg brachte. Höhepunkt des Vereinslebens war sicher
die mit dem Gaufest des damaligen „Gauverbands II“ verbundene Fahnenweihe im Juli 1932.
Die Zerrissenheit der Bevölkerung in eine unheilvolle Klassengesellschaft
bewirkte in diesen Nachkriegsjahren, dass sich ein dritter Trachtenverein bildete.
Junge Leute der „Theatervereinigung Starnberg“ gründeten unter
Beratung des Seniors Max Bernlochner die „Plattlergruppe Edelweiß“, aus
der am 1. Mai 1925 der „GTEV Edelweiß“ mit dem Vereinslokal „Deutsches
Haus“ hervorging.
Das
von den „Edelweißern“ 1935 ausgerichtete Loisachgaufest, verbunden mit
Weihe der Schwungfahne des Vereins, beweist auch hier das große
Engagement der Mitglieder.
Fahnenweihe des "GTEV Edelweiß" 1935Zu
allem Überfluß tat sich - ebenfalls in den dreißiger Jahren – noch eine
vierte Gebirgstrachten-Gruppierung auf, die Plattlergruppe
„D’Waxnstoaner“, die dem „Arbeiter-Turn- und Sportverein Starnberg“
angehörte.
Der Vollständigkeit halber sei noch angeführt, dass Aufgaben der allgemeinen Heimatpflege – denen die
Trachtenvereine auf Grund ihrer Zersplitterung nicht nachkommen konnten – vom damaligen
„Verschönerungsverein“ und dem ebenso sehr wertvoll arbeitenden
„Museumsverein“ unter Dr. Penzl und Dr. Paulus wahrgenommen wurden.
Der „Volkstrachtenverein“ aber, hat sich weiterhin –
insbesondere durch die Gestaltung von Fischerstechen und anderen
Seefesten, Maitänzen, Johannifeiern und Trachtenbällen, sowie durch die
Teilnahme am „Oktoberfest- Schützenzug“ – um altes Herkommen verdient
gemacht.
Der wachsende Wunsch nach Einigkeit und Bodenständigkeit in
den Starnberger Trachtenvereinen wurde durch den vom „GTEV Edelweiß“ in
Gemeinschaft mit dem „GTEV Almarausch“ und dem „Volkstrachtenverein“ am
2. Juli 1933 veranstalteten ersten „Starnberger Heimatabend“ in
Anwesenheit vom Kiem Pauli offenkundig.
Einen weiteren Anstoß
in dieser Richtung gab am Kirchweihmontag desselben Jahres die vom
„Volkstrachtenverein“ ausgestattete Fischerhochzeit vom Gröber Nikl und
seiner Braut Amalie Popp, dem bis dahin größten heimatlichen Ereignis
in Starnberg.
Wie ein roter Faden zog sich von da an der
Gedanke einer gemeinsamen Volkstumsarbeit durch die kommenden Jahre,
bis der Ausbruch des 2. Weltkriegs alle Pläne zunichte machte.
Willi Großer, Kiem Pauli, Hans Zellner in KreuthErst nach dem Zusammenbruch gelang endlich der große Wurf:
Am 27. Juni 1947 setzten sich nach eingehenden
Vorarbeiten der Vorstände Hanns Schäffer, Alois Kropf und Hans Zellner 52 Mitglieder des „Volkstrachtenvereins“,
des „GTEV Almarausch“ und des „GTEV Edelweiß“ zum freiwilligen Zusammenschluß der drei Vereine und damit zur
Gründung des „Heimat- und Trachtenvereins Starnberg gegr. 1907“ zusammen.
Aus den Neuwahlen ging
Hans Zellner als 1. Vorsitzender,
Alois Kropf als 2. Vorsitzender,
Michael Gebhard als Kassier,
Heinrich Gerstetter als Schriftführer und
Hanns Schäffer als Beirat hervor.
Zugleich wurde der Beitritt des Vereins zur „Heimat- und Trachtenvereinigung Huosigau“ beschlossen.
Bereits am 23./24. August 1947 veranstaltete der acht Wochen
„junge“ Verein das - heute bereits legendäre - „1. Oberbayerische
Sängertreffen in Starnberg“, bei dem beste Sängergruppen von der
Zugspitz bis zum Watzmann und mitten drin der Kiem Pauli die Zuhörer in
der vollgepfropften TSV-Halle begeisterten. Eine Veranstaltung mit
nachhaltiger Wirkung, Auftakt zu einer auf allen Gebieten der
Volkstumspflege erfolgreichen Vereinstätigkeit.
Es sei dabei nur an ein paar – die damalige Aufbruchszeit charakterisierende –
Feste und Gedenkveranstaltungen erinnert:
Die Huldigungsfeier zum 80. Geburtstag S.K.H. Kronprinz Rupprecht v.
Bayern am 15. Mai 1949 in Leutstetten und am 18. September der erste Oktoberfest-Trachtenzug nach dem Krieg,
bei dem ein spektakulärer Festwagen mit dem historischen Lustschiff „Delphin“ die Starnberger Trachtengruppe
durch die noch weitgehend zerstörte Landeshauptstadt begleitete.
Am 21. November des Jahres folgte der
Gedenkabend zum 30. Todestag von Georg Queri in der Starnberger TSV-Halle.
Am 1. Mai 1950 wurde der erste „Nachkriegs-Maibaum“ – gestiftet von S.K.H. Kronprinz v. Bayern - auf dem
Tutzinger-Hof-Platz aufgestellt und am 19./20.
Im August des selben Jahres lockte das erste Huosigaufest in Starnberg,
verbunden mit dem Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen an die zehntausend Besucher auf die Undosa-Seepromenade.
Trachtenjugend beim Huosigaufest in Weilheim 1949Auf
einstimmigen Beschluß der Hauptversammlung vom 21. Oktober 1950 erhielt
der Verein seinen bis heute gültigen Namen „Heimat- und
Volkstrachtenverein Starnberg e.V. gegr. 1907“.
Ein
Name, der zum Programm für den Verein wurde, ist doch die
Trachtenpflege nur ein Teil der gesamten, viele Bereiche umfassenden
Volkstumspflege, um die sich ein Heimatverein kümmern sollte.
In
welchem Umfang sich die Vereinsmitglieder dieser Verantwortung damals
bereits bewusst waren, zeigen neben den vielen „laufenden“ Aktivitäten,
folgende, besonders erwähnenswerte Veranstaltungen:
Der von Prof. Dr. Max Dingler mit seiner Osterlegende
„Auferstehung“ gestaltete literarische Abend am Gründonnerstag 1949 im
Undosa,
der “Bayerisch – Österreichische Volkstumsabend“ am 22.9.1951 in der TSV-Halle,
das beispielgebende Mundartsprechen „Das heimatliche Wort“ am 24./25. Oktober 1953,
der aufrüttelnde Lichtbilder-Vortrag von Dr.Dr. Alfred Weitnauer über „Heimatkultur kritisch betrachtet“
und nicht zuletzt
die
ersten Advent - und Weihnachtssingen, gestaltet von Gesangs- und
Musikgruppen unseres Vereins, die nach dem Vorbild von Annette Thoma
dazu beitrugen unseren Landsleuten die schlichte Schönheit geistlichen
alpenländischen Liedguts wieder nahe zu bringen.
Vereinsfoto 1953Ein wahrhaft
„königliches“ Ereignis, zu dessen Gelingen der Heimat- und
Volkstrachtenverein einschließlich der Heimatbühne Starnberg ein gut
Teil beigetragen hat, war die Huldigungsfeier zum 85. Geburtstag S.K.H.
Kronprinz Rupprecht v. Bayern am 8./9. Mai 1954 in Leutstetten.
Und
als die Trauerglocken am Nachmittag des 2. August 1955 in bayerischen
Landen den Tod S.K.H. Kronprinz Rupprecht v. Bayern verkündeten, haben
auch die Mitglieder des Heimat- und Volkstrachtenvereins Starnberg in
gebührender Weise von ihrem Gönner und Förderer bewegten Abschied
genommen, bei der Totenwacht in Leutstetten und beim ergreifenden
Staatsbegräbnis in München.
Hans Zellner mit der Vereinstafel 1957Das
Jahr 1957 wurde mit dem fünfzigjährigen Gründungsjubiläum zu einem
Markstein unseres Vereins. Es begann Ende Januar mit dem diesmal
besonders festlich gestalteten Trachtenball, gefolgt von der
Maibaumaufstellung am 1. Mai und dem internen Stiftungsfest am
1./2.Juni mit Weihe der beiden von den Vereinen „Almarausch“ und
„Edelweiß“ übernommenen, frisch renovierten und umgearbeiteten Fahnen
durch Abt Hugo Lang.
Der 4. August brachte unter der Schirmherrschaft S.K.H. Herzog
Albrecht v. Bayern - nach der herkömmlich fünfjährigen Pause - wiederum
das Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen und am 7./8. September kam im
Rahmen der Huosigau-Heimattage erstmals in der Geschichte der
Bayerischen Trachtenverbände eine „Bairische Trachtenschau“ zur
Durchführung, an der sich 97 Trachtengruppen aus ganz Bayern samt
Gastgruppen aus Österreich und Südtirol beteiligten.
Würdiger Abschluß des Jubiläumsjahres war am
12. Oktober in der TSV–Halle ein freundschaftlicher Sänger - und
Musikantenwettstreit „Huosigau – Oberpfalz“.
Fürwahr eine stattliche Leistungsschau, die das Ansehen des Vereins stärkte und die Mitgliederzahl auf 300 steigen ließ.
Neben
dieser Präsenz im heimischen Starnberg und dem Huosigau zog es den
Volkstrachtenverein im Lauf der Jahre auch zu manch volkskulturellem
Ereignis in weite Fernen, z.B: in den Pongau, nach Ochsenfurt und
Würzburg, Kempten, Augsburg, Immenstadt, Dingolfing und Mainburg –
unvergessen, allein schon wegen des „gsüffigen“ Festbiers.
In späteren Jahren wagten sich unsere Tanz- und Musikgruppen
betreffs „Völkerverständigung“ bis nach Dinard, Taiwan und einmal sogar
nach Berlin.
Erwähnt sei auch noch die Trachtenhochzeit von Willi Großer
mit Brigitte Kandler am 1. Mai 1961, bei der Hans Zellner als
Hochzeitslader fungierte, - vor allem deretwegen, weil sie durch
etliche Brautpaare, hervorgegangen aus der Trachtenjugendgruppe,
erfreuliche Nachahmung fand, - ein ums andere mal schönster Beweis
lebendiger Heimatpflege.
Im November 1962 legte Hans Zellner nach 15 Jahren
verdienstvoller Vorstandsarbeit aus gesundheitlichen Gründen sein Amt
nieder.
Auf seinen Vorschlag wurde Willi Großer zum neuen 1.
Vorstand gewählt, dessen erste Amtshandlung die Ernennung von Hans
Zellner zum Ehrenvorstand war.
Seine zweite, nicht minder
erfreuliche Tätigkeit war die Verbriefung eines Grundstücks, das den
Verein – dank der jahrzehntelangen Bemühungen von Hans Zellner – in die
Lage versetzte, im Jahr 1977 ein Trachten-Jugendheim zu errichten.
Dieses Vorhaben bestimmte auch weitgehend die Vereinstätigkeit
der sechziger und siebziger Jahre. Es wurde hart gespart und man
versuchte auf jedmögliche Weise zu Geld zu kommen:
monatelange Bastelarbeiten für den Weihnachtsmarkt (wobei man sich immer an guter Volkskunst orientierte),
„Cafe Trachtenheim“ – gesponsert und betrieben von den Vereinsfrauen,
eigene Herstellung von Festzeichen,
Verkauf von „Bausteinen für das Trachtenheim“ usw..
Für Hand- und Spanndienste war die Mitgliederstruktur unseres
Vereins nicht besonders ergiebig und so versuchte sich eben jeder mit
seinen Fähigkeiten anderweitig einzubringen, so dass man letztlich
sagen konnte: „Es war trotz aller Anstrengung eine schöne Zeit, geprägt
von kameradschaftlichem Miteinander.“
Natürlich musste
nebenbei auch noch das sonstige Vereinsleben, die ganze Probenarbeit
und die herkömmlichen, den Jahrlauf begleitenden Veranstaltungen, Fest-
und Gedenktage bewältigt werden.
In besonderer Weise hat sich
dabei der Verein seit jeher um die Wiederbelebung und Verbreitung des
allgemeinen Volkstanzes bemüht, wobei der große Auftrieb für unsere
Tanzleut im November 1969 kam, als der „Kaufmann Schorsch“ –
Forstmeister Georg v. Kaufmann – in seiner ansteckenden Begeisterung
zusammen mit der Teisendorfer Tanzlmusi einen Volkstanzabend bei uns
gestaltete.
Aber nicht nur unsere Tanzleut hat es „erwischt“,
auch unsere jungen Musikanten kamen auf den Geschmack und so entstand
erst die „Starnberger Tanzlmusi“ und dann die „Hochberghauser
Tanzlmusi“, die es gemeinsam ermöglichen, dass unser Verein seit
Jahrzehnten jeweils im Mai und November einen Volkstanzabend für die
Allgemeinheit veranstalten kann.
Starnberger TanzlmusiJetzt aber wieder zum chronologischen Ablauf des Vereinsgeschehens:
Am Samstag, dem 21. Juli 1973 wurde es endlich Wirklichkeit; das erste, von Hans Zellner seit langen Jahren angestrebte
„Burghofsingen im Starnberger Schloß“.
Dank
dem Verständnis des Finanzamt-Vorstands Dr. Walter König konnte Willi
Großer als Sprecher (nicht ahnend, dass ihm diese Ehre 32mal zuteil
werden wird) bei sommerlichem Sternenhimmel unter Mitwirkung der
Starnberger Musik- und Gesangsgruppen, dem Duo Anzenberger aus Wallgau
und dem Pfaffl-Zwoagsang dem dankbaren Publikum ein Volksmusikerlebnis
der ganz besonderen Art bescheren.
1977, das 70. Jubeljahr
des Vereins brachte natürlich einige besondere Höhepunkte. Zunächst den
„Starnberger Abend“ am 4. Juni in der TSV-Halle, der dank
hervorragender Beiträge – u.a. einem Referat von Herrn Ministerialrat
Dr. Schmaderer über „Bürgerinitiative Heimatpflege“ – ein großer
ideeller Erfolg wurde.
Das Hauptfest, die „Huosigau-Heimattage“ vom Freitag, 24. Juni
mit Montag, 27. Juni wurde vom Wetter nicht gerade begünstigt. Mit
Ausnahme des sonntäglichen Festgottesdienstes in St. Maria litten die
Veranstaltungen, vor allem der an den Gottesdienst anschließende
Festzug, sehr unter Dauerregen, wobei man sich aber im geräumigen
Festzelt beim Strandbad die Stimmung nicht verderben ließ.
Ungetrübte Festesfreude herrschte dann am 10. Juli bei der
durch Stadtpfarrer Konrad Schreiegg und Pfarrer Gerhard Pfister
vollzogenen Einweihung des glücklich vollendeten Trachten-Jugendheims.
Für
die vom Landkreis erfahrene Unterstützung zur Errichtung des Heimes,
haben sich die Mitglieder und Jugendlichen des Vereins beim Festzug am
17. Juli anlässlich des 75jährigen Landkreis-Jubiläums gleich sichtbar
revanchiert.
Am Sonntag, 7. August stand das 7. Fischerstechen der
Nachkriegszeit an, bei dem sich Paul Dechant zum dritten mal in
ununterbrochener Folge den Titel „Fischerkönig vom Starnberger See“
holte.
Das Burghofsingen wurde in diesem Jahr witterungsbedingt durch
eine „Geistliche Volksmusik in St. Josef“ ersetzt. Auch beim
Oktoberfest – Trachten- und Schützenzug hielt sich die Begeisterung
diesmal in Grenzen – es regnete vom Max-Monument bis zum Bierzelt.
Somit war das 70. Jubeljahr wahrhaft ein „feucht-fröhliches“,
das den Mitgliedern aber trotzdem siebzig Einsätze auf allen möglichen
– ( manchmal sogar unmöglichen ) – Gebieten abforderte.
Trachtenheim erbaut 1977 – Hans-Zellner Weg 10
Am 24. März 1979 fand in der Schulturnhalle am Hirschanger wieder
ein „Starnberger Sänger- und Musikantentreffen“ unter Leitung von Willi
Großer in Verbindung mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege
und dem Bayerischen Rundfunk statt, bei dem Hans Zellner für seine
Verdienste um die regionale Volksmusik mit der „Goldenen Medaille des
Bayerischen Rundfunks“ geehrt wurde.
Bedingt durch Renovierungsarbeiten in der alten Pfarrkirche
St. Josef gestaltete Willi Großer am 4. Adventsonntag erstmals die
„Adventliche Stund“ in St. Maria, die seither zum festen Bestandteil
adventlichen Brauchtums in Starnberg wurde. Im Rahmen dieser
besinnlichen Feierstunde wird auch die Madonna zurückgebracht, die
jeweils am 1. Adventsonntag bei der „Herbergsuche in St. Josef“ zum
sog. „Frauentragen“ ausgesandt wird.
Beim Jahrhundertereignis 1983, dem Jubiläum des Bayerischen
Trachtenverbands, das am 3. Juli mit einem Festgottesdienst an der
Münchner Mariensäule, zelebriert von Kardinal Friedrich Wetter, einem
Festakt mit Ministerpräsident Franz Josef Strauß und einem großartigen
Trachtenaufmarsch durch die Ludwigstraße gefeiert wurde, beteiligten
sich auch die Starnberger mit großem Aufgebot.
Am 13. Juni 1986 beteiligte sich eine Starnberger
Trachtengruppe – wie dies bei „runden“ Gedenktagen immer schon üblich
war – an den Feierlichkeiten zum 100. Todestag von König Ludwig II. vor
der Votivkapelle in Schloß Berg.
Im Juli 1987 beging Starnberg mit einem mehrtägigen Bürgerfest
und einem historischen Festzug am 17. Juli – wobei der
Volkstrachtenverein maßgeblich beteiligt war – die 75. Wiederkehr der
Stadterhebung.
Die Mitwirkung einer bretonischen Trachtengruppe
unterstrich die enge Verbundenheit der Partnerschaft zwischen Starnberg
und Dinard, wie auch Starnberger Trachten- und Musikgruppen bei
entsprechenden Anlässen des öfteren in Dinard vertreten sind.
Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurde bei einem Festakt im Undosa
neben anderen verdienstvollen Starnbergern auch Willi Großer die
Goldene Bürgermedaille verliehen. Großer nahm, wie er sagte
„stellvertretend für den Heimat- und Volkstrachtenverein und dessen
Verdienste für die Heimatstadt“, die Ehrung dankend an.
Das 80. Gründungsfest des Vereins wurde am 17. Oktober 1987
mit einem volksmusikalisch gestalteten Ehrenabend in der Söckinger
Franz-Dietrich-Halle würdig begangen.
Nach einem erholsamen Jahr kamen 1989 wieder größere Herausforderungen auf die Mitglieder zu:
In
Verbund mit der Heimatbühne und dem Kunstkreis Bucentaur wurde vom 16.
bis 19. März im katholischen Pfarrzentrum erfolgreich das bayerische
Osterspiel „Auferstehung“ von Max Dingler erstmals szenisch auf die
Bühne gestellt.
Am Samstag, 8. Juli beteiligte sich der Verein mit Aufführung
des „Starnberger Fischertanzes“ und der Gestaltung eines abendlichen
Volkstanzes auf dem bewirtschafteten Kirchplatz an der 75jährigen
Gründungsfeier des Starnberger Heimatmuseums.
Am folgenden Sonntag, 9. Juli feierte der Verein mit einem
gediegenen Bürgerfest am Kirchplatz die Weihe der von B.M. Gantner
entworfenen und von Schlehdorfer Klosterschwestern kunstvoll gestickten
neuen Vereinsfahne, deren einzigartiger Fahnenspitz nach dem Muster der
„Almarausch-Fahne“ von Manfred Pleyer gefertigt und gestiftet wurde.
Um auch den „aktiven“ Teilnehmern ein gemütliches Fest bieten
zu können, wurde auf den obligatorischen Festzug verzichtet. Lediglich
ein kurzer Kirchenzug brachte die 40 teilnehmenden Vereine vom
Bahnhofplatz in die Pfarrkirche St. Maria, wo unter Beistand des
Patenvereins Raisting die prächtige Fahne durch Stadtpfarrer Konrad
Schreiegg ihre kirchliche Weihe erhielt.
Musikalisch umrahmt wurde
der Gottesdienst durch die gemeinsam gesungene „Bairische Singmesse“, gestaltet von Robert Weyrer und Hans Zellner.
Anschließend ging man auf dem Kirchplatz unter Blasmusikklängen
und Tanzdarbietungen zum gemütlichen Teil über – bis hinein in einen
lauen Sommerabend.
Die positive Ausstrahlung dieser festlichen Tage bewies ein
erfreulicher Mitgliederzuwachs auf knapp 400 Erwachsene zuzüglich etwa
60 Kindern und Jugendlichen.
Die Jahreshauptversammlung vom 30. März 1990 brachte dem
Verein eine markante Zäsur – nach 28jähriger Tätigkeit als 1. Vorstand
stellte Willi Großer sein Amt zur Verfügung um es in jüngere Hände zu
übergeben. Auf seinen Vorschlag wählte die Versammlung mit großer
Mehrheit Ferdinand Pfaffinger zum neuen 1. Vorsitzenden.
Seine Feuertaufe bestand Ferdl Pfaffinger bereits am 1. Mai des Jahres mit Erstellung eines neuen, prächtigen Maibaums.
Ferdl Pfaffinger beim beim Singen aus dem
Liederbuch "Roasts außi, ös Gsangl"
Im Juli beteiligte sich der Volkstrachtenverein zusammen mit vier
weiteren Starnberger Vereinen im Rahmen des „Theatersommers“
am Festspiel „Sissi“. Weitaus wertvoller als das Lustspiel selber, war
das kameradschaftliche Zusammenwirken der unterschiedlichen Starnberger
Vereine. Fazit: „So was solls öfter gebn!“
Vom Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen am 19. Juli 1992
konnte Franz Gastl aus Leoni den von S.K.H. Herzog Franz v. Bayern
gestifteten Siegespreis heim tragen.
Trachtenjugend auf dem See – Foto Rich. Wörsching, Starnberg
Ein literarischer Abend mit Christian Buck unter dem Motto „Bei uns dahoam – damals und heut“,
das 22. Burghofsingen unter Mitwirkung der Musikschule anlässlich ihres 20jährigen
Bestehens und der 90. Geburtstag unseres Ehrenvorstands Hans Zellner prägten das Vereinsjahr 1994.
1995 war wieder ein neuer Maibaum – gestiftet von der Familie Stefan Kandler –
fällig und am 21. Oktober nahm der Verein in Verbindung mit dem BR bei einem großen altbayrischen
Sänger- und Musikantentreffen erstmals Beschlag von der neu eröffneten, lang ersehnten Schlossberghalle.
Nach 40 Jahren Kampf endlich ein brauchbarer Saal für kulturelle Veranstaltungen!
Am 3.2.1996 trafen sich die Tanzlustigen erstmals in der
Schlossberghalle zum traditionellen Trachtenball. Ebenso wurde dort am
13. April das 50. Huosigau-Sänger- und Musikantentreffen und am 13.
Juli – bedingt durch Umbauarbeiten am Schloß – das Burghofsingen
ausgerichtet.
1997 – wiederum ein Jubeljahr unseres Vereins.
Das größte Geburtstagsgeschenk war sicher ein von der Bootswerft
Rambeck erbautes Flachboot, das am 9. Juni1997 im Rahmen einer
Feierstunde in der Werft auf den Namen „Christl“ getauft und von Herrn
Anton Dreher dem Heimat- und Volkstrachtenverein übergeben wurde. Neben
dem finanziellen hat dieses Boot vor allem ideellen Wert, ist es doch
jetzt das einzige in traditioneller Weise gebaute Flachboot in
Starnberg, ein unentbehrliches Requisit beim jeweiligen Fischerstechen.
Der Verein bedankte sich bei Herrn Dreher und seiner Frau „Christl“
durch Verleihung der „Goldenen Ehrennadel“ für die großzügige Spende.
Weniger großzügig war ein Blitz, der am 4. Juli den Starnberger Maibaum um zwei Meter kürzer machte.
Beim Prinzregent-Luitpold-Fischer-stechen am 13. Juli wird der
Wenzel Schorschi zum 3. mal Fischerkönig und am 14. September wird den
Starnbergern die Patenehre beim Trachtenverein Raisting zuteil, die als
fünfzigjähriger Jubelverein, verbunden mit einem mustergültig
ausgerichteten Huosigaufest die Weihe ihrer neuen Fahne begehen.
Am 8. November begeht unser eigener Verein in der Schlossberghalle sein 90. Gründungsjubiläum mit einem
vorzüglich gestalteten Volkstumsabend in dessen Verlauf Willi Großer vom 1. Vorstand Ferdl
Pfaffinger der „Ehrenvorstand“ angetragen wird.
Sichtlich bewegt vom stehenden Applaus der Festbesucher nahm der also Geehrte die Auszeichnung dankend an.
Vereinstafel
Das Jahr 1998 brachte am 18. Februar den Abschied vom überaus
verdienstvollen und allseits geachteten Ehrenvorstand Hans Zellner.
Beim Trauergottesdienst in der kath. Pfarrkirche St. Maria und bei der
Beisetzung auf dem Friedhof an der Hanfelderstraße gaben ihm 21
Fahnenabordnungen, sowie zahlreiche Vertreter der Stadt und des
Landkreises, des Bayerischen Trachtenverbands und anderer
Heimatvereinigungen unter einer großen Trauergemeinde das letzte
Geleit.
Einen weiteren herben Verlust erlitt der Verein am 4. März
2000 mit dem Heimgang von Adi Riedel, der fünfzig Jahre lang als
unermüdlicher Vereinsmusiker wesentlich zum Erfolg der Jugendarbeit
beigetragen hat.
Das neue Jahrtausend hat sich beim Heimat- und
Volkstrachtenverein erstmals 2002 unübersehbar bemerkbar gemacht:
nachdem die seit Jahren rückläufigen Besucherzahlen des Trachtenballs
eine Weiterführung unmöglich machten, hat man sich dazu entschlossen,
diese traditionelle Starnberger Faschings-veranstaltung durch eine
„Redoute“ zu ersetzen.
„Ball anno dazumal“ hieß das Motto und aufgespielt hat in
excellenter Weise das „Salonorchester Karl Edelmann“. Der Besuch ließ
zwar trotzdem noch zu wünschen übrig, aber der gute Ruf dieser
gediegenen Tanzveranstaltung hat dafür gesorgt, dass sich die Redoute
bereits vier Jahre später zu einem echten „Starnberger Bürgerball“
gemausert hat.
Eine weitere gravierende Veränderung brachte die
Jahreshauptversammlung am 8. 3. 2002, bei der 1. Vorstand Ferdl
Pfaffinger bekannt gab, dass er bei der anstehenden Neuwahl als
Vorstand nicht mehr zur Verfügung stehe, da er dieses Amt – bedingt
durch den Zeitaufwand für seine Bürgermeister-Kandidatur – sicher nicht
mehr zur Zufriedenheit der Mitglieder ausführen könne.
Die Versammlung dankt Ferdl Pfaffinger für seine zwölfjährige,
erfolgreiche Vorstandstätigkeit und wählt anschließend den bisherigen
2. Vorstand Manfred Schulz – der seit 1999 in Nachfolge von Willi
Großer auch als Kreisheimatpfleger fungiert – zum 1.Vorstand.
Manfred Schulz und Willi Großer
Am 23. Juni des Jahres beteiligte sich unser Verein am „Treffen
historischer Trachtengruppen“ in Garmisch-Partenkirchen. Es handelt
sich dabei um eine alle zwei Jahre in einem anderen Ort stattfindende
zwanglose Zusammenkunft von Vereinen mit historischen Volkstrachten,
denen sich auch Starnberg angeschlossen hat. Die Mehrzahl dieser
„Freundschaftstreffen“ blieb bei den Teilnehmern in guter Erinnerung;
Eingeweihte denken dabei sicher an Neubeuern und Landsberg, wo die
Feste nicht auf Erfolg bei den meist unbedarften Zuschauern, sondern
auf ein fröhliches Erlebnis für die Teilnehmer ausgerichtet waren.
Zum Bericht über das Garmisch-Partenkirchner Fest hat unser
Chronist angemerkt: „Bei 30 Grad im Schatten war der lange Festzug und
die übliche (oder hat er „üble“ gemeint?) Festgestaltung mehr eine
Härteprüfung für die Teilnehmer, als eine Demonstration bayerischer
Lebensart.“
Hat er sich dabei vielleicht schon Gedanken über die
Gestaltung des 100jährigen Jubiläums vom Heimat- und
Volkstrachtenverein Starnberg gemacht?
Am 7. Juli des Jahres 2002 beteiligte sich unser Verein mit
einer ansehnlichen Gruppe beim 950jährigen Ortsjubiläum von Perchting
und am 14. Juli mit über 100 Teilnehmern beim Festzug durch Starnberg
zum Jahrhundert-Jubiläum des Landkreises.
Beim Fischerstechen am 21. Juli kämpfte sich unser neuer
Vorstand Manfred Schulz gleichermaßen erfolgreich durch die bedrohliche
Wetterlage, wie der Wenzel Schorschi durch die bedrohliche Reihe seiner
Herausforderer. Er wurde, was bisher noch keinem gelang, zum vierten
mal in ununterbrochener Folge „Fischerkönig vom Starnberger See“.
Vereinsfoto 2003Die folgenden Jahre
waren neben dem laufenden Vereinsgeschehen, den alljährlich
wiederkehrenden Brauchtums- und Trachtenfesten angefüllt mit den
Vorbereitungen zum 100jährigen Vereinsbestehen A.D. 2007.
Willi Großer
22.3.2006